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31.10.2016 / Ausland / Seite 7

Völkerwanderung auf dem Friedhof

Allerheiligen ist in Polen alles andere als ein »stiller Feiertag«

Reinhard Lauterbach, Poznan

Wer um diese Jahreszeit in Polen bei Dunkelheit an einem Friedhof vorbeifährt, dem kann es passieren, dass er einen Moment lang glaubt, es gäbe Geister. Denn über den Grabfeldern leuchtet es fahl – der Schein Tausender brennender Grabkerzen. So ganz daneben liegt man mit dieser Vermutung übrigens nicht, denn zu Allerheiligen wird nach katholischer Lehre der erlösten Seelen gedacht, einen Tag darauf, an Allerseelen, der unerlösten.

Praktisch ist der 1. November vor allem der Tag einer Art Völkerwanderung. Ganz Polen macht sich auf zu den Gräbern der Vorfahren, auch wenn man dazu – meist auf zweispurigen Landstraßen – einmal quer durchs Land fahren muss. Kinder und Enkel besuchen die in der Provinz zurückgebliebenen Großeltern, Klassenkameraden, die es in verschiedene Städte verschlagen hat, sehen sich auf dem Friedhof wieder. 280 Kilometer in eine Richtung beträgt nach Polizeiangaben die durchschnittliche Reisestrecke. Der im Straßenbild sichtbaren Zahl...

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