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12.07.2016 / Feuilleton / Seite 10

Todesqualen, mach was draus

Bulgakow und Stalin, Moliere und der Sonnenkönig – Castorfs »Kabale der Scheinheiligen« an der Volksbühne Berlin

Andreas Hahn

In seiner »Baal«-Inszenierung am Münchener Residenztheater hatte Frank Castorf den Schauspielern im vergangenen Jahr gestattet, den Film »Apokalypse Now« nachzuspielen. In »Die Kabale der Scheinheiligen«, seiner (wie oft bei Castorf auf versteckte Weise verdammt textgetreuen) Bühnenadaption von Michail Bulgakows schlanker Romanbiographie »Das Leben des Herrn de Molière«, ist es die Fassbinder-Früh-70er-Film-Apokalypse »Warnung vor einer Heiligen Nutte«.

Die Analogien sind offensichtlich. Nutten sind wir uns alle selbst am besten. Molière war ein (zunächst fahrender, später institutionalisierter) Theaterunternehmer, Schauspieler, Regisseur, genialer Autor, verbündet/verfeindet mit den anderen maßgeblichen dramatischen Autoren seiner Zeit (Racine, Corneille), zugleich ein (nicht immer geschickter) Höfling an der Peripherie des Zentrums politischer Macht, deren Zuträger, Lakai, Faxenmacher usw. Rainer Werner Fassbinder wiederum war ebenfalls Produzent, Theate...

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