29.06.2016 / Feuilleton / Seite 11

Polke, »Cut!«, Pohl

Wer fesselt, wer dichtet und wer folgt der Losung der Tiere? Zwei bemerkenswerte Bücher in der Cut-up-Tradition

Jürgen Schneider

Diabolik ist eine der erfolgreichsten Comicserien in Italien. Mit dem 1962 von den Schwestern Luciana und Angela Giussani erfundenen Urahn der italienischen »Fumetti neri« (schwarze Comics) betrat ein völlig neuer Held die Comicwelt. Der Edelschurke Diabolik begeht mit Hilfe der bildschönen Eva Kant schnell und clever seine Verbrechen. Seine Bedeutung fasste die Zeitung Brescia Oggi 1992 so zusammen: »Kein anderer italienischer Comic hat eine derart fesselnde Figur. Diabolik ist das Genie des Bösen: entschlossen, unerbitterlich, nicht aufzuhalten, unberechenbar und frech«.

1979 nahm sich der Künstler Sigmar Polke (1941–2010) ein Diabolik-Heft vor und ersetzte den italienischen Text in der Tradition der Situationisten durch Textfragmente, die er aus deutschen Zeitungen als Cut-ups entwendet hatte. »Die Entwendung«, so heißt es in »Die Gesellschaft des Spektakels«, dem 1967 erschienenen situationistischen Hauptwerk aus der Feder von Guy Debord, bei dem es si...

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