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12.05.2016 / Feuilleton / Seite 10

Vernunft kennt kein Sieggeschrei

Er war prinzipiell, aber verständlich und er wusste: Ohne SED keine DDR. Eine Erinnerung an Otto Reinhold (1925–2016)

Frank Schumann

Es war Pfingsten. Wir schrieben das Jahr ’89. Die FDJ hatte wieder nach Berlin geladen, neben den üblichen Umzügen und Begegnungen gab es Gesprächsrunden mit der ersten Garnitur unserer Wissenschaftler. Diese Foren fanden im Palast der Republik statt. Im Großen Saal probten sie Theodorakis’ »Canto General«, der Komponist war angereist, man hörte die kraftvollen Klänge. Ich hatte einige dieser Foren zu moderieren. Zu jenen, die sich den oft bissigen Einwürfen der jungen Leute stellten, gehörte Otto Reinhold. Auf die 60 zugehend, klein und ein wenig füllig, aber blitzgescheit parierte er alle Vorhaltungen. Er blieb ruhig und sachlich, wurde mitunter ein wenig ironisch, ohne dabei besserwisserisch zu wirken, wich keiner Frage aus. Wie konnte er auch? Wir saßen wie in einer Arena, die voll gefüllten Sitzreihen wuchsen ringsum in die Höhe. An Flucht war nicht zu denken.

Das war eines der Themen. Warum hauten die Leute aus der DDR ab, per Ausreiseantrag oder ill...

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