30.04.2016 / Geschichte / Seite 15

Arbeiterschaft erwacht

Auf der 1.-Mai-Kundgebung 1916 wird Karl Liebknecht verhaftet

Reiner Zilkenat

Der 1. Mai 1916 in Berlin war ein normaler Arbeitstag. Doch Tausende Proletarier eilten nicht an ihren Arbeitsplatz, sondern in Richtung Stadtzentrum. Um 8 Uhr sollte am Potsdamer Platz eine Kundgebung gegen den Krieg beginnen. In den Tagen zuvor waren Flugblätter der »Spartakusgruppe« verbreitet worden. Darin war zu lesen: »Zum zweiten Male steigt der Tag des 1. Mai über dem Blutmeer der Massenmetzelei auf. (…) Und zu wessen Nutz und Frommen, zu welchem Zwecke all diese Schrecken und Bestialitäten? Damit die ostelbischen Junker und die mit ihnen versippten kapitalistischen Profitmacher durch Unterjochung und Ausbeutung neuer Länder ihre Taschen füllen können. Damit die Scharfmacher der schweren Industrie, die Heereslieferanten von blutigen Leichenfeldern goldene Ernten in ihre Scheunen schleppen.«

Derartige Aussagen, verbunden mit Aufrufen zu Demonstrationen gegen den Krieg, waren angesichts des am 31. Juli 1914 verhängten Belagerungszustandes strengstens...

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