23.04.2016 / Ausland / Seite 8

»Die Gefängnisindustrie macht Milliardengewinne«

USA: 2,3 Millionen Inhaftierte müssen Zwangsarbeit oftmals in ­privatisierten Justizvollzugsanstalten leisten. Gespräch mit Annette Schiffmann

Claudia Wrobel

Anlässlich des Besuchs von Barack Obama kritisieren Sie unter anderem die US-amerikanische Gefängnisindustrie. Was genau ist mit dem Begriff gemeint?

Er beschreibt den Zusammenhang staatlicher und privater Konzerne, die an der Haft von Menschen verdienen. Das geschieht in unterschiedlicher Form. Zum Beispiel müssen Inhaftierte Zwangsarbeit verrichten, es ist nicht anders zu bezeichnen, und Konzerne verdienen an deren Unterbringung. Es gibt beispielsweise etliche Fälle von Gemeinden, die ihre defizitären Haftanstalten verkauften, meistens an Corrections Corporation of America, CCA. Dieser kommt für die Schulden der Gefängnisse auf, wenn die Gemeinde im Gegenzug eine mindestens 90prozentige Belegung garantiert. Sonst sind die Kommunen zu Strafzahlungen verpflichtet.

Das heißt, die Gemeinden garantieren »Kunden«, zumindest in der Logik der Konzerne. Sie haben damit also ein größeres Interesse an hohen Verhaftungs- und Verurteilungszahlen als an Kriminalitätspr...

Artikel-Länge: 4389 Zeichen

Sie benötigen ein Online-Abo • jetzt bestellen

Bitte einloggen

Abo abschließen

  • Gedruckt

    Printabo

    Sechs mal die Woche: Hintergrund und Analysen, Kultur, Wissenschaft und Politik. Und Samstag acht Seiten extra.

    39,60 Euro/Monat Soli: 49,60 €, ermäßigt: 28,60 €
  • Online

    Onlineabo

    24/7: Sofortiger Zugang zu allen Artikeln und Beilagen. Downloads, Mailausgabe, Features, das ganze Archiv.

    18,60 Euro/Monat Soli: 23,60 €, ermäßigt: 11,60 €
  • Verschenken

    Geschenkabo

    Anderen eine Freude machen: Verschenken Sie jetzt ein Abonnement der Printausgabe.

    39,60 Euro/Monat Soli: 49,60 €, ermäßigt: 28,60 €

Kurzzeitabo abschließen

Zur aktuellen Ausgabe