04.02.2016 / Feuilleton / Seite 11

Lieber eine rauchen

Mit 50.000 Anschlägen bilanziert das »Schwarzbuch der Lyrik« das Unbehagen an der Welt. Eine Gegendarstellung

Su Tiqqun

Ein jeder planscht in seinem Teich: Die Konfektionisten der eher monokulturellen Auslese des »Jahrbuchs der Lyrik 2015« paddeln im Kreisverkehr lyrischer Indifferenz. Die Herausgeber der gegenliteraischen Inventur schwimmen ihnen trotzend entgegen. Das jüngst erschienene »Schwarzbuch der Lyrik 2016« demonstriert, dass die subventionierte Biopoesiecompany keine Betriebsstörungen von seiten aufsässiger Lyrikproduzenten befürchten muss. Weder im guten noch im schlechten.

Mit »Fünfzigtausend Anschläge. Schwarzbuch der Lyrik 2016« bleibt das schwarze Schaf der Gegenwartslyrik dennoch Schaf, daran ändert auch der pinkfarbene Anstrich des Buchcovers nichts, und das Riesenknie einer liegenden Frau, gezeichnet von Jörg Waehner, macht diese Gegenlyrik keineswegs sinnlicher. Trotzdem will die Gegenliteratur, mit Brecht gesprochen, den Gebrauchswert von Gedichten erhöhen. Doch der erste, dem ich das »Schwarzbuch« zeigte, der Artists Coach Marcel Hager, schlug das Buch...

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