22.10.2015 / Kapital & Arbeit / Seite 9

Sklavenjobs in Argentinien

Illegale Textilproduzenten: Die soziale Dauerkrise im Land am Río de la Plata hat einen Sektor extrem prekärer Beschäftigung geschaffen

Gaby Weber, Buenos Aires

In den neunziger Jahren war die argentinische Textilindustrie am Ende. Staatsbetriebe wurden privatisiert, die Grenzen für ausländische Produkte geöffnet und die Landeswährung Peso an den US-Dollar gekoppelt. Viel Geld strömte ins Land, doch statt moderne Maschinen anzuschaffen, wurde es ins Ausland verbracht. Güter aus Asien überfluteten den Markt, Billigkleidung aus Bangladesch. Die einheimische Industrie konnte damit nicht konkurrieren. Die Arbeitslosenzahl explodierte, Ende 2001 wurde der Staat zahlungsunfähig.

Der Peronist Néstor Kirchner hatte als Gouverneur der Erdölprovinz Santa Cruz die Privatisierungen unterstützt. Doch als er 2003 Präsident Argentiniens wurde, verkündete er, eine »eigene nationale Bourgeoisie« aufbauen zu wollen. Da im bankrotten Land Kapital fehlte, ging das nur mit extrem billiger Arbeitskraft. »Kirchner rettete unsere Textilindustrie mit Sklavenarbeit«, ist Marcelo Ramal, Professor für Wirtschaftswissenschaften und trotzkist...

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