30.03.2015 / Feuilleton / Seite 10

Der Dunning-Kruger-Effekt

Mit dem Unvermögen wächst die Selbstüberschätzung

Frank Ufen

Es geschah 1995 in Pittsburgh. Damals überfiel ein 1,68 Meter großer, fast zweieinhalb Zentner schwerer Mann zwei Banken – und das am hellichten Tag und ohne maskiert zu sein. Noch am selben Tag ging er der Polizei ins Netz, denn die Überwachungskameras der Banken lieferten präzise Bilder von seinen Gesichtszügen. Als der Täter festgenommen wurde, war er fassungslos. Wie sich später herausstellte, war er fest davon überzeugt, für Kameras unsichtbar zu sein, weil er sein Gesicht vorher gründlich mit Zitronensaft eingerieben hatte. Denn, das wusste er aus seinen Kindertagen: Verwendet man Zitronensaft zum Schreiben, wirkt er wie Zaubertinte, und vom Geschriebenen ist nichts zu erkennen.

Als der Sozialpsychologe David Dunning von dieser bizarren Geschichte erfuhr, schoss ihm ein Gedanke durch den Kopf: Könnte es sein, dass ein Unvermögen, wenn es ein bestimmtes Ausmaß erreicht, wie eine Sperre wirkt und verhindert, dass man sich dieses Unvermögens bewu...

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