19.01.2015 / Feuilleton / Seite 11

Vor allem »wir«

Die Esso-Häuser brauchen dich: Der Dokfilm »Buy Buy St. Pauli« geht auf Kinotour

Alexander Reich

Wir wollen nicht immer nur die faulen Kompromisse, sondern auch mal die Machtfrage stellen«, sagt Ted Gaier in der Doku »Buy Buy St. Pauli«. Angesichts der Immobilienblasen müsse dringend nichtkommerzieller Wohnraum her, und wenn die Bayerische Hausbau das für Kommunismus halte: »Fucking hell! Dann gibt’s halt Zonen des Kommunismus.«

»Buy Buy St. Pauli« ist ein Film über die Gentrifizierung des berühmtesten deutschen Kiezes und den Kampf dagegen. Rekapituliert wird ein modellhafter Vorgang. 2009 kauft die Bayerische Hausbau ein Grundstück an der Reeperbahn mit der erklärten Absicht, was darauf steht abzureißen: eine Tanke und unansehnliche Plattenbauten aus den frühen 60er Jahren, die sogenannten Esso-Häuser. In deren 110 billigen Mietwohnungen sind auch Kiezoriginale zum Teil seit Jahrzehnten zu Hause. Parterre in der Ladenzeile wird passendes Kleingewerbe betrieben. Da gibt es den Pornoladen »Sexy Heaven«, die Kneipe »Das Herz von St. Pauli«, den ...

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