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21.06.2001 / Ansichten / Seite 0

Warum »Jedermann« in Halle?

junge Welt sprach mit Manfred Wekwerth

Hans Jacobus

* Manfred Wekwerth ist Theaterregisseur in Berlin

F: Ist der »Jedermann« ein Modestück? Er wird vielerorts wieder inszeniert. Seit 1920 ist er Touristenattraktion in Salzburg, wurde aber schon bei seiner Uraufführung 1911 in Berlin von Alfred Kerr als »Kitsch« und »altertümelndes Kunstgewerbe« bezeichnet. Nach Faschismus, Vernichtungskriegen und Raubzügen des Kapitals habe ich auch meine Probleme mit der völligen »Vergebung« für Jedermann am Ende des Stücks. Wieso jetzt auch noch »Jedermann« im Dom zu Halle?

Peter Sodann, der Intendant des »neuen theaters« in Halle, hat einen »Riecher« für Zeiten, Theater, Wahrheit und Wirksamkeit. Er hatte die Idee (bedingt durch die Rekonstruktion des eigentlichen Theatergebäudes), mit dem »Jedermann« für jedermann die »Dom-Festspiele« ins Leben zu rufen. Denn er ist der Meinung (wie ich auch), daß es keine »Theater-Krise« gibt, sondern eine Krise der Gesellschaft, die nach wie vor bestimmt wird von der Tatsache, daß der ...

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