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20.12.2013 / Feuilleton / Seite 13

Zorn und Spieltrieb

Raus aus den Tabus, rein in den Betrieb: Das Phänomen Schlingensief in den Berliner Kunstwerken

Matthias Reichelt
An Christoph Schlingensief scheiden sich nicht mehr die Geister. Die Vorwürfe der Scharlatanerie und des hysterischen Aktionismus waren schon vor seinem frühen Tod mit nur 49 Jahren im Jahre 2010 nahezu verstummt. Der von ihm teilweise brachial angegegriffene Kulturbetrieb hatte ihn längst eingemeindet.

Schlingensief war notorisch umtriebig und den meisten Menschen, die ihn kennenlernten, sofort sympatisch. Sein Charme öffnete ihm die Türen für die gewagtesten Projekte. »Scheitern als Chance«, der Slogan der von ihm anläßlich der Bundestagswahl 1998 mitgegründeten Spaß-, Aktions- und Künstlerpartei »Chance 2000«, wäre ein gutes Motto für seine genreübergreifende Produk­tion, die nie elaboriert und glatt war, sondern stets disparat und öfter auch mißlungen.

Wie in Versuchsanordnungen ließ er in verschiedenen Formaten Prominente, Künstler und ganz Unbekannte aufeinandertreffen, wobei er als polarisierender Moderator auftrat. In seinen Theaterstücken wagte...



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