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12.08.2013 / Thema / Seite 10

9.-November-Stimmung

Im August 1923 stürzt eine Streikwelle die bis dahin reaktionärste Regierung der Weimarer Republik. Die KPD wird für kurze Zeit zur Mehrheitspartei der Arbeiterbewegung

Leo Schwarz
Die Luft ist mit Elektrizität geladen. Ein Funke genügt, und die Explosion ist da.« Am 27. Juli 1923 ließ der anonyme Leitartikler der Germania, des Berliner Blattes der katholischen Zentrumspartei, keinen Zweifel daran, daß er eine mit der Novemberrevolution vergleichbare Staatskrise heranreifen sah. Es sei »zwecklos, den Kopf vor den Tatsachen in den Sand zu stecken und nicht sehen zu wollen, was jedermann fühlt. Es herrscht 9.-November-Stimmung.« Einen Tag zuvor hatte die altkonservative Neue Preußische Zeitung ihren Lesern auseinandergesetzt, daß alle Zeichen auf den bevorstehenden »Ausbruch einer neuen Revolution« hindeuteten. Am 28. Juli versicherte Hermann Müller im sozialdemokratischen Vorwärts, daß auch die SPD-Führung die »wilde Radikalisierung der Massen« mit großer Sorge betrachte; sollte sich die Bildung einer neuen Regierung als erforderlich erweisen, so sei die Partei zu »positiver Mitarbeit« bereit.

Die Krise bürgerlicher Herrschaft war i...

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