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13.07.2012 / Thema / Seite 10

»Wie eine Hasenjagd«

Vor 85 Jahren: In Wien protestieren Hunderttausende gegen die österreichische Klassenjustiz. Die Polizei schießt in die Menge und tötet Dutzende Menschen

Hans Hautmann
Am 15. Juli 1927 kam es in Wien zu einem elementaren Ausbruch der Massenempörung der Arbeiterschaft, gegen den die bürgerliche Bundesregierung und die staatlichen Exekutivkräfte mit äußerster Brutalität vorgingen. Am Ende dieses Tages hatte die Polizei im »Roten Wien«, der Hochburg der Sozialdemokratischen Partei, die die Stadt regierte, 85 Demonstranten erschossen. Die Zahl der Verletzten, die nie genau ermittelt werden konnte, belief sich auf über 1000 Personen.

Was die Wiener Arbeiterschaft am 15. Juli 1927, einem Freitag, auf die Straße brachte, war die Verbitterung und Wut, die schon in den Jahren zuvor mehrere Gerichtsurteile als offene und freche Manifestationen der Klassenjustiz hervorgerufen hatten. In sie reihte sich der skandalöse Freispruch für drei rechtsradikale Täter im Schattendorf-Prozeß ein, der am Abend des 14. Juli 1927 verkündet wurde und die gereizte Stimmung endgültig explodieren ließ.

Auf dem rechten Auge blind

Am 17. Februar 1923...

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