09.06.2012 / Thema / Seite 10

Mit Mut und Klarheit

Geschichte. Vor 70 Jahren starb der jüdische Antifaschist und Kommunist Herbert Baum in Gestapo-Haft

Regina Scheer
Am 4. August 1942 sang ein Mädchen, das an diesem Tag 20 Jahre alt wurde, in Moabit in seiner Zelle. ­Ihre Zellengefährtin fiel ein, schließlich die Insassin einer anderen Zelle, einer dritten, vierten, bis der Kanon vollständig war. In die Stille danach rief das erste Mädchen: »Ich habe etwas in die Wand geritzt.« »Was?« rief der lauschende Gefangene aus der Zelle darunter, der jüdische Rechtsanwalt Heinrich F. Liebrecht, der später darüber berichtete. »Ich bin ja noch so jung und möchte so gerne leben«, antwortete das Mädchen. Das war Hilde Loewy aus der heute so genannten Herbert-Baum-Gruppe. Herbert Baum lebte nicht mehr, als Hilde an ihrem Geburtstag, ihrem letzten, den Kanon anstimmte.

Am 11. Juni 1942 hatte man ihn erhängt in seiner Zelle im Polizeigefängnis gefunden, er war 30 Jahre und vier Monate alt. Zwanzig Tage zuvor war er von der Gestapo verhaftet worden, mit ihm seine Frau Marianne und mehrere Freunde, von denen die meisten am Brandanschl...

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