08.06.2011 / Feuilleton / Seite 13

Die Rache der Christen

Wiglaf Droste
Erbarmungslos brannte die Junisonne auf den Dresdener Kirchentag nieder. Die marodierenden Christen jubelten: »Gott läßt die Sonne auf uns scheinen!« Falls das zutraf, war Gott ein reichlich fieser Möpp: Er schickte ihnen Hitze, auf daß sie die Kleider von sich würfen, um einander zu erschrecken. Leicht, allzu leicht bekleidet taumelten die Trägerinnen und Träger grüner Bänder und Tücher durch Dresden und zeigten soviel Christinnen- und Christenfleisch vor, daß noch dem hungrigsten Löwen der Appetit verging. Taktvoll legten die Könige der Savanne die Pfoten über ihre Augen und wandten sich ab.

Wer aber am Tage des Herrn Dresden verlassen wollte, sah sich genasführt und düpiert, denn auch Hunderttausende Christen mochten nicht mehr in der Stadt bleiben, die sie zuvor gebrandschatzt hatten. Wozu auch? Sie hatten verfrömmelte Erde hinterlassen, nun ging es auf zu neuen Zielen. Der Christ hatte seine Schuldigkeit getan, nun wünschte der C...

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