27.07.2010 / Feuilleton / Seite 12

Reaktiv und kreativ

Wirtschaft als das Leben selbst

Helmut Höge
Ein Schriftsteller ist jemand, der Probleme mit dem Schreiben hat. Das kann man von den meisten Romanautoren nicht sagen, zumal, wenn sie auch noch »fürs Fernsehn« arbeiten. Aus den USA kommen immer mehr Lehrangebote für »Kreatives Schreiben« über uns. Das Problem liegt dabei schon im Begriff, denn Künstler, also auch Schriftsteller, sind das Gegenteil von »Kreativen«. Der ehemalige US-Arbeitsminister Robert B. Reich sagt, »Kreative« seien intellektuelle »Problemlöser und -finder«, die von der neuen Wirtschaftsordnung profitieren. Es handle sich um ein Fünftel der Weltbevölkerung. Zu Reichs »kreativer Klasse« gehören Werber, Programmierer, Designer, TV-Programmgestalter etc. (»Creative« ist nicht von ungefähr auch der Name eines »weltweit führenden Anbieters von Digital-Entertainment-Produkten für den PC und das Internet«. Als Index für den Aufstieg der »kreativen Klasse« gilt dem US-Soziologen Richard Florida zufolge der Anteil von Schwulen in leitenden ...

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