16.01.2010 / Thema / Seite 10

Mediale Mobilmachung

Hintergrund. In der Presse ist seit kurzem von einer »dritten Front im Krieg gegen den Terrorismus« die Rede. Doch Washington scheint noch keine Strategie für sein Eingreifen im Jemen und in Somalia zu haben

Knut Mellenthin
Seit Weihnachten ist die Republik Jemen ganz plötzlich »in den Fokus der Weltpolitik gerückt«. So jedenfalls die Sprachregelung der Mainstreammedien. Äußerer Anlaß war ein Vorfall in einem Verkehrsflugzeug, das sich am 25. Dezember auf dem Weg nach Detroit (USA) befand. Ob der angeblich knapp verhinderte Anschlag eines jungen Nigerianers eine geheimdienstliche Inszenierung oder das Produkt von amateurhaftem Dilettantismus war, wird wahrscheinlich nie geklärt werden. Sofern die seltsame Aktion wirklich, wie behauptet, die derzeitigen Kapazitäten und Optionen von Al-Qaida widerspiegeln sollte, der immerhin eine organisatorische Großtat wie der 11. September zugeschrieben wird, käme dies einer Bankrotterklärung nahe. Aber um in den USA wieder einmal die Wogen der Hysterie und der Kriegsstimmung hochschlagen zu lassen, reichte der Zwischenfall offenbar aus.

Seit dem 25. Dezember ist die Rede von einer »dritten Front im Krieg gegen den Terror«, neben dem Irak...

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