19.11.2009 / Feuilleton / Seite 12

Der gemeine Hemmstedter

Über den Schatten springen: Wilfried Eggers liest in Bonn aus seinem Krimi »Paragraph 301«

Mario Tal
Einen Stein aus dem Jackett ziehen; ihn ansehen, über ihn streichen; wenn’s hart kommt, zu ihm sprechen – das klingt, sagen wir, esoterisch. Muß es aber nicht sein. Der Stein ist in »Paragraf 301«, Wilfried Eggers’ jüngstem Krimi, ein »Völkermordstein«, einer, der 1937 Zeuge des Genozids von Dersim war. Die Opfer: Kurden, Aleviten und die wenig beachtete Volksgruppe der Zaza.

Veli Adaman, illegaler Flüchtling im norddeutschen Hemmstedt, trägt den Stein stets bei sich, bis er sich mit Rechtsanwalt Schlüter in einer vertrauten Dönerbude trifft. Zwei Polizisten kommen rein, Adaman kann rechtzeitig durch einen Hinterausgang fliehen, der Stein bleibt liegen. »Kleinigkeiten, alles Kleinigkeiten«, wird Schlüter bald wiederholt sagen angesichts eher belangloser Probleme, die den gemeinen Hemmstedter in Jusitz und Gesellschaft plagen – und dabei den Völkermordstein umschließen.

Schlüter, der ein beschauliches Leben fristet, der viel liest...



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