08.11.2008 / Inland / Seite 2

»Putschartige Emotionalisierung«

30 Millionen Dollar mußte Obama zahlen, um seine PR-Bilder ins US-TV zu bringen. Das deutsche Fernsehen brachte sie gratis. Ein Gespräch mit Friedrich Küppersbusch

Gitta Düperthal
Friedrich Küppersbusch ist Fernsehproduzent und -journalist

Bilder von jubelnden Amerikanern, zu Tränen gerührt, klatschend– über Obamas Wahlerfolg wird weitgehend politikfrei berichtet: Jung sei er, schwarz und ein rhetorisches Talent, eine Art Superstar. Geht so kritische Distanz verloren, die seriöser Journalismus bieten sollte?

Es sah aus wie die putschartige Emotionalisierung vieler deutscher Fernsehsender: Minutenlanges Draufhalten auf kühlst kalkulierte Auftritte am Wahltag, Ausschnitte aus Wahlkampffilmen und Selbstinszenierungen. Ausgerechnet US-Sender befolgen dabei übrigens sogenannte Codes of conduct, also Selbstverpflichtungen. Sie blenden ein, was sie zeigen: beispielsweise »Aufnahmen von Werbeagenturen«, »im Vorfeld des Ereignisses aufgenommen« oder »Kampagnenspots der Politik«. Sprich: US-Sender selbst gehen in aller Regel mit dem Material quellenkritischer um. Obama hatte 30 Millionen Dollar zahlen müssen, um manche der Schönfotografien...

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