31.07.2008 / Feuilleton / Seite 12

Was heißt naiv?

Auschwitz in bunt: Ein Bildband über Blalla W. Hallmann

Dr. Seltsam
Elfriede Jelinek schreibt in ihrem Webblog über den schrecklichen Josef F., den Papi von Amstetten, daß er sich in seinem Keller sämtliche Patriarchenträume erfüllt hat: Er war für seine Gefangenen »Gottvater, Vater und Großvater in einer Person«, Schöpfer einer höllischen Trinität. Am Mondsee besaß er ein Sommerhäuschen, dort wo vor 65 Jahren die Nazis ganz in der Nähe ein KZ betrieben. Tief drinnen im Berg produzierten Zwangsarbeiter Teile für die Rakete V2.

Auf einer Österreichreise lernte ich einen der letzten Überlebenden dieses Lagers kennen: ein Pole, der nach 1945 dageblieben ist. Er hatte geheiratet, sich inmitten eines paradiesischen Blumengartens ein kleines Haus gebaut und führte jetzt Touristen durch die unterirdische Fabrik. Ich fragte ihn, wie er das aushält, über diesem Ort des Verbrechens zu leben? »Die Gemeinde hat die KZ-Grundstücke ganz billig abgegeben, so kam auch ich zu meinem Haus, und im übrigen ist es ja nun vorbei«, meinte er.

Vo...



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