26.03.2016 / Wochenendbeilage / Seite 1 (Beilage)

»Es ging um die Westintegration«

Gespräch mit Karin Scherf. Über deutsche Kriegsgefangene in Frankreich und darüber, weshalb die alte Bundesrepublik das Thema verschwieg und nur über die Leiden in sowjetischen Lagern sprach

Frank Schumann

Es heißt, dass Sie von französischen Historikern geradezu gefeiert wurden, als Sie im Mai 2015 in Bordeaux aufkreuzten, um nach Spuren des »Prisonnier de guerre Wolfram Knoechel«, Ihres Vaters, zu suchen.

»Feiern« ist vielleicht übertrieben, aber gefreut hat man sich schon. Allerdings aus einem anderen Grund: Ich fand im Nachlass meines Vaters etwa 150 Briefe, die er aus französischer Kriegsgefangenschaft zwischen 1945 und 1947 an seine in Halle lebenden Eltern geschickt hatte. In Frankreich erforscht man erst seit einiger Zeit die dortigen Kriegsgefangenenlager, und wie die Wissenschaftler bedauernd feststellten, gibt es kaum Unterlagen darüber. In der Nachkriegszeit hatten die Franzosen erstens andere Sorgen als die Geschichtsschreibung in 50, 60 Jahren, zweitens war der Einsatz von Kriegsgefangenen – etwa beim Minenräumen am sogenannten Atlantikwall – nicht nur aus heutiger Sicht rechtlich umstritten, weshalb man sich damals mit dem Ausfertigen schr...

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