23.03.2016 / Feuilleton / Seite 14

Rotlicht: Gegenaufklärung

Hans Heinz Holz

Immanuel Kant hatte die Aufklärung als den »Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit« bezeichnet. Seitdem haben die antiaufklärerischen Bemühungen innerhalb der bürgerlichen Ideologie nicht nachgelassen. Die Argumentationsmuster der Gegenaufklärung haben sich seit zwei Jahrhunderten kaum verändert; sie sind nur immer flacher geworden, und natürlich haben sie sich dem jeweiligen Stand der wissenschaftlichen Problemlage und der gesellschaftlichen Antagonismen angepasst. Ewige Ordnungen des Seins – seien es von Gott gesetzte, seien es als Naturkonstanten beschriebene – bestimmen das menschliche Leben und Zusammenleben und entziehen sich dem Eingriff des Menschen, der Gestaltung durch das historische Subjekt.

Solche Ordnungen werden durch Offenbarungsschriften und Propheten verkündet und verbürgt oder intuitiv vom Individuum erfasst. Logische Deduktion, vernünftige Konstruktion und dialektische Entwicklung gelten in der Gegenaufklär...

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