27.02.2016 / Ausland / Seite 8

»Die Militärs haben die Macht, aber nicht die Kontrolle«

In Ägypten »verschwinden« Menschen, die das System ­kritisieren. Jede Art der Organisierung wird zerschlagen. Gespräch mit Mona Seif

Giuseppe Acconcia

Sie haben einen Aufruf an alle Ausländer veröffentlicht, nicht nach Ägypten zu reisen. Warum?

Es gibt ständig Massenverhaftungen. Wenn jemand zwei Leute hört, die nicht Arabisch miteinander reden, ruft er die Polizei und sagt, dass es sich um Spione handelt. Diese Festnahmen können mit Folterungen und langen Gefängnisaufenthalten enden. Am Tag zuvor war ein Amerikaner festgenommen und beschuldigt worden, Falschmeldungen zu verbreiten.

Anfang Februar wurde am Stadtrand von Kairo die Leiche des am 25. Januar verschwundenen linken italienischen Sozialwissenschaftlers Giulio Regeni gefunden. Sie wies Folterspuren auf. Denken Sie, er wurde ermordet, weil er Ausländer war?

Es wird immer schwieriger, die Verantwortlichen ausfindig zu machen. Es gibt viele Fälle verschwundener Personen. Das geschieht nicht so sehr wegen ihres politischen Engagements, sondern weil die Polizei außer Kontrolle geraten ist. Inzwischen bedarf es spezieller Anweisungen, damit die Polizei ...

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