26.02.2016 / Feminismus / Seite 15

Normen dekonstruiert

Geliebt und verehrt von den einen, verleumdet von den anderen: Der Philosophin, Feministin und Kriegsgegnerin Judith Butler zum 60

Anna-Esther Younes

Es gibt nur wenige Geisteswissenschaftlerinnen, die sich zu Lebzeiten einer ähnlichen Popularität erfreuen können wie Judith Butler. An jenem Nachmittag 2008, als die US-amerikanische Philosophin an der Universität Potsdam einen Vortrag halten sollte, waren die S-Bahnen aus Berlin voll. Die Stimmung unter den Studierenden glich der auf einer Pilgerfahrt. Der Respekt und, ja, die Liebe vieler junger Menschen, die den heteronormativen Zwangsjacken der Gesellschaft nicht gerecht werden können (oder nicht mehr gerecht werden wollen), galt an jenem Tag – und gilt bis heute einer Person, die als Theoretikerin gezeigt hat, was Emanzipation durch Worte und Lernen bedeuten kann: »Wissen ist Macht«, und das nicht nur für die, die schon Macht haben, sondern auch für jene, die sie in Frage stellen.

Schon in jungen Jahren wurde Judith Butler durch ihren eigenen widerspenstigen Geist und später beim Nachsitzen in der Synagoge klar, dass Kritik, obgleich oftmals aus Lieb...

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