22.02.2016 / Politisches Buch / Seite 15

Gaskammer im Ausflugslokal

Florence Hervé und Martin Graf auf Spurensuche in Natzweiler-Struthof – dem einzigen Konzentrationslager der Nazis in Frankreich

Gerd Schumann

Mai 1941. Die ersten Deportierten kamen aus dem KZ Sachsenhausen. 150 Mann, zwei Transporte vom brandenburgischen Bahnhof Oranienburg zum elsässischen Bahnhof Rothau. Ausgeladen, hochgetrieben auf den Struthof, den sieben Kilometer entfernten »Berg des Grauens«, wie sie ihn bald nennen würden, von nun an gefangen im KZ-System Natzweiler-Struthof, eingesetzt zumeist als Sklavenarbeiter, 52.000 Menschen insgesamt – und schon mit der Inbetriebnahme deuteten die brutalen Haftbedingungen darauf hin, dass der Tod regierte. 22.000 Häftlinge würden sein Regiment nicht überleben.

»Stark und tief geprägt« habe ihn der Ort, schreibt Tomi Ungerer, 1931 in Strasbourg geborener Schriftsteller und Illustrator. Er nahm auch seine Kinder, »schon als sie noch ganz klein waren«, mit dorthin, wo einst »die Nazis das höchstgelegene KZ Deutschlands errichtet« hatten, und erzählte »den Schullehrern« davon. Das war als Ratschlag gemeint, die Pädagogen mögen »ihren Kindern« eb...

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