22.02.2016 / Feuilleton / Seite 10

Zu kleine Sprengkapseln

Der Dichter Gerhard Falkner trotzt der Smilisierung von Sprache, heute abend auf multimediale Weise in der Literaturwerkstatt Berlin

Su Tiqqun

Das Schwergewicht des omniprobaten, poetischen Tons, Gerhard Falkner, wird heute abend in der Literaturwerkstatt Berlin den multimedialen Klang eines kulturellen Dilemmas erproben: »Ich geteilt durch Null / das ist mein heutiger Kurswert.«

Natürlich ist Falkner keine Null. Er liiert kybernetisches Irrsinnsvokabular mit entstellten Wörtern, »bis endlich die Seele in See sticht / In Zeitlupe / Bis endlich auf dem Zehnmeterturm oben / das winzige Ich sich als Seele entpuppt / und ansetzt zum Kopfsprung«. In Anbetracht der Abspaltung des Ichs von seinem Schutzorgan, der Seele, führt Falkner Ich und Seele wieder zusammen. Dass keines von beiden übrig bleibt, wenn es den Kopfsprung in die vierte und fünfte Industrialisierung riskiert, lässt er offen. Trotzdem leistet er Widerstand. Vergällte Wörter wie »Seele«, »schön« oder »Reigen«, schrieb Peter Geist 2015, »entwindet er mit Verve ihrer Vernutztheit, so dass sie wieder zu Kräften kommen können«.

Falkner trotzt ...

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