11.02.2016 / Thema / Seite 12

Blind für Widersprüche

Heute vor 75 Jahren starb Rudolf Hilferding. In seiner Hauptschrift »Das Finanzkapital« erfasste er mit seiner bloß empirischen Darstellung des Geldbildungsprozesses nicht dessen zwiespältiges Wesen

Gerfried Tschinkel

Er war ein genialer Ökonom und dennoch geriet er in seinen Schlussfolgerungen oft auf Abwege. Sein Werk bleibt unvergessen. Rudolf Hilferding, am 11. Februar 1941 im Pariser Gestapo-Gefängnis gestorben, gilt als der Wirtschaftstheoretiker unter den Austromarxisten.1 Bis heute wird er als der »führende marxistische Ökonom seiner Zeit« betrachtet.2 Besondere Aufmerksamkeit verdient nach wie vor sein theoretisches Werk. Die Arbeit »Das Finanzkapital«, 1910 erschienen, verstand Hilferding als Versuch, »die ökonomischen Erscheinungen der jüngsten kapitalistischen Entwicklung wissenschaftlich zu begreifen«. Darunter fallen »jene Konkurrenzvorgänge, die einerseits in der ›Aufhebung der freien Konkurrenz‹ durch die Bildung von Kartellen und Trusts, andererseits in einer immer innigeren Beziehung zwischen Bankkapital und industriellem Kapital erscheinen«. So steht es im ersten Band der 1973 in Frankfurt am Main erschienenen Ausgabe von »Das Finanzkapital«. Auf di...

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