22.01.2016 / Feuilleton / Seite 10

Bürger, Genossen! 

Kreuzberger Notizen

Eike Stedefeldt

Stell dir vor, du lebst schon lange und gerne in der Nähe vom Südstern, aber: Deine Gesundheit lässt nach oder deine Beweglichkeit ist nach einem Unfall eingeschränkt, du kannst erforderliche Dienstleistungen nicht bezahlen, die Doppelbelastung durch Arbeit und Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen wächst dir über den Kopf, deine Miete wird teurer und du befürchtest, nicht hier wohnen bleiben zu können, die Anonymität durch ständige Ein- und Auszüge im Kiez nimmt zu.«

Das muß ich mir nicht vorstellen; der Teufel, den Markus Runge an einem Freitag abend im Nachbarschaftshaus Urbanstraße via Projektor an die Wand malt, lümmelt (bis auf das Malheur mit den lieben Kleinen) längst auf meinem Sofa. Aber Rettung naht: »Für dich ist das kein Problem! Denn du bist Mitglied in der BürgerGenossenschaft Südstern e.V.« Nö, bin ich nicht. Dafür befällt mich schon wieder dieses komische Gefühl von moralisierenden Satzzeichen: »Solidarisch leben im Kiez!«

»Die Bü...

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