05.01.2016 / Feuilleton / Seite 10

Die Seelenqualen der Seelenquallen

Alptraum auf dem Oberdeck: »Schiff der Träume« im Deutschen Schauspielhaus Hamburg

Wiglaf Droste

Man sieht eine Gesellschaft ermatteter, erschlaffter, gelangweilter, ausgebrannter Menschen, die »Werte« beschwören, an die sie nicht glauben und die sie Tag für Tag zigmal verraten. An Wohlstand fehlt es ihnen nicht, ihre Kernkompetenzen sind konsumieren, sich kulturell spreizen, neidisch sein und von einer Veränderung salbadern, die nur über ihre Leichen zu haben wäre. Dabei sind sie als Selbstdarsteller des Guten durchaus nicht untalentiert, wenn auch spürbar kraftlos und schlapp.

Diese Gesellschaft befindet sich sinnfälligerweise auf einem jener »Traumschiff« genannten Vorhöllen, um deren Tödlichkeit nicht nur David Foster Wallace wusste; schon Raymond Chandler goss in seinem Hauptwerk »Der lange Abschied« essigsauren Spott aus über maritime Hochpreisreisen, an denen das versprochene »Vergnügen« zu empfinden eine zähe und zuverlässig vergebliche Mühsal ist.

Karin Beiers Inszenierung nach Motiven von Federico Fellinis gleichnamigem Film von 1983 am Deuts...

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