23.08.2014 / Wochenendbeilage / Seite 1 (Beilage)

»Die Faschisten und Rechten kamen nicht aus Odessa«

Gespräch mit Oleg Musyka. Über »Prorussen« und »Separatisten« in der Ukraine, die Anti-Maidan-Bewegung und das Massaker am 2. Mai in seiner Heimatstadt

Arnold Schölzel
Oleg Musyka ist Mitglied der ukrainischen Partei Rodina und war Aktivist der Anti-Maidan-Bewegung auf dem Platz Kulikowo Polje in Odessa, deren Zeltstadt am 2. Mai von Neofaschisten zerstört wurde. Dabei kamen nach offiziellen Angaben über 40 Menschen um. Gegenwärtig begleitet er als Augenzeuge eine Fotoausstellung mit Bildern vom Brand des Gewerkschaftshauses in Odessa und dem Massaker an diesem Tag durch Europa.

Als russischsprachiger Ukrainer sind Sie für die meisten deutschen Medien ein »Prorusse«. Dieses Wort hört man hier gegenwärtig in jeder Nachrichtensendung. »Prorusse« zu sein ist schon schlimm, noch schlimmer ist aber der »prorussische Separatist«. Sind Sie einer?

Odessa hat eine sehr lange Geschichte. Sie geht zurück auf die Zarin Katharina II., die 1794 anwies, die Stadt in der Nähe einer eroberten osmanischen Festung anzulegen, und auf Fürst Grigori Alexandrowitsch Potjomkin. Er hatte schon für die Besiedlung des 1765 gegründeten Gouvernemen...

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