14.06.2014 / Wochenendbeilage / Seite 4 (Beilage)

Stadien statt Schulen

Seit Donnerstag läuft die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Schon während der WM-Vorbereitungen zeigte sich die Wut der Bevölkerung über die immensen Ausgaben, die bei Bildung und Wohnraum fehlen

Kai Behrmann, São Paulo
Die Nacht ist bereits über São Paulo hereingebrochen. Licht gibt es nur noch auf einer Hälfte des Innenhofes. Ein Neonstrahler allein ist nicht genug. Die andere Seite liegt im Dunkeln. Icaro stört das nicht. Eng führt er den Ball am Fuß. Schuhe trägt er keine auf dem unebenen Betonboden. Schlaglöcher können ihn ebenso wenig stoppen wie seine Gegenspieler. Wuchtig drischt er den Ball zwischen die mit weißer Farbe auf die Wand gemalte Tormarkierung. »Goooool!«, schreit Icaro und klatscht mit seinen Teamkameraden ab.

Jeden Tag spiele er hier, erzählt Icaro (15). Nach der Schule natürlich. Fußballprofi möchte er nicht werden. Lieber etwas Solides. »Buchhalter vielleicht«, sagt der Teenager. Kicken ist dennoch seine große Leidenschaft. Daß die Weltmeisterschaft diesmal in Brasilien ausgetragen wird, freut ihn. Wer holt den Titel? »Brasilien natürlich – im Finale gegen Deutschland!«

Keine zwanzig Meter entfernt ist von Freude über die WM keine Spur. Du...



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