22.04.2014 / Inland / Seite 5

Schicksale hinter Zahlen

Neue Ausgabe der Dokumentation über tödliche Flüchtlingspolitik erschienen

Ulla Jelpke
Er braucht nicht mehr abgeschoben zu werden«, hieß es in einer Traueranzeige für Cliff Oase im August letzten Jahres. Der mit Psychopharmaka vollgepumpte 29jährige Bürgerkriegsflüchtling aus Uganda war in der Donau bei Neuburg ertrunken – alles deutet auf einen Suizid hin. Obwohl Oase unter schweren posttraumatischen Belastungsstörungen litt, wurde ihm eine adäquate Therapie aus Kostengründen verweigert. Die bayerische Ausländerbehörde erhöhte statt dessen den Druck auf Oase, sich bei der Botschaft Papiere für seine Abschiebung nach Uganda zu beschaffen – zurück in das Land, in dem seine Mutter vor seinen Augen ermordet worden war.

Der Tod dieses Flüchtlings ohne menschenwürdige Perspektive ist kein Einzelfall. In den vergangenen 21 Jahren begingen mindestens 176 Flüchtlinge angesichts drohender Abschiebungen Suizid, oder sie starben bei Fluchtversuchen aus der Abschiebehaft. Weitere 1271 Flüchtlinge verletzten sich aus Angst vor ...

Artikel-Länge: 5158 Zeichen

Willkommen bei der Tageszeitung junge Welt

Zum Aufrufen dieser Seite ist ein Onlineabo erforderlich.

Bitte einloggen

Hilfe und Informationen

Abo abschließen

Welche Vorteile bietet ein Onlineabo?

  • Zugriff auf das Archiv seit 1997, alle Artikel und Recherchewerkzeuge.
  • E-Mail-Abo im Text-, HTML- oder E-Pub-Format.
  • Zugriff auf Seiten im PDF-Format.
  • Verwalten eigener Lesezeichen.

Zur aktuellen Ausgabe