16.10.2013 / Antifa / Seite 15

Ungeliebter Aufklärer

Der jüdische Physiker Léon Gruenbaum enthüllte die Nazivergangenheit westdeutscher Atommanager. Gedankt wurde es ihm nicht

Peer Heinelt
Im Juni 1975 verfaßte der jüdische Atomphysiker Léon Gruenbaum ein Rundschreiben, das er an die westdeutsche Presse, mehrere hochrangige Bonner Ministerialbeamte und zahlreiche Mitarbeiter des Kernforschungszentrums Karlsruhe (KfK) verschickte. Darin bedankte er sich bei dem ein Jahr zuvor in den Ruhestand verabschiedeten Geschäftsführer des KfK, Rudolf Greifeld, für dessen Hinweis auf Waldemar Ernst. Wie Gruenbaum weiter ausführte, sei hierdurch die Grundlage für den Nachweis gelegt worden, daß Ernst, Manager der Schwäbischen Hüttenwerke, »zu den unmittelbaren Verantwortlichen der Judenverfolgung in Paris zählte in Verbindung mit SS-Obersturmbannführer Kurt Lischka«. Gruenbaums offener Brief war an bitterer Ironie kaum zu überbieten: Greifeld, der seinen alten Kameraden Ernst hatte grüßen lassen, war während des Zweiten Weltkriegs selbst an antisemitischen Terrormaßnahmen im von deutschen Truppen besetzten Frankreich beteiligt; in Köln leitete die Staats...

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