29.07.2013 / Thema / Seite 10

Intervention à la française

Frankreich weist bis heute jede Verantwortung an dem ruandischen Völkermord zurück. Eine Ende Juni 2013 von Menschenrechtsorganisationen eingereichte Klage zeigt dagegen, daß Paris tief in den Genozid verstrickt war

Jörg Tiedjen
Der Völkermord in Ruanda im Jahr 1994 ist ohne Zweifel eines der ungeheuerlichsten Verbrechen der jüngsten Geschichte. In 100 Tagen fielen ihm zwischen 800000 und einer Million Menschen zum Opfer. Von damals annähernd sieben Millionen Einwohnern, die das etwa 26000 Quadratkilometer kleine Land im Osten Afrikas hatte. Auf bestialische Weise wurden viele der dort lebenden Tutsi, die ungefähr 14 Prozent der Bevölkerung ausmachten, ermordet. Auch Angehörige der Hutu-Mehrheit, die den Völkermördern im Weg standen, wurden getötet. Statt einzugreifen, zogen die Vereinten Nationen (UN) ihre zuvor stationierten Blauhelmtruppen weitgehend ab. Zudem vermieden sie es wochenlang, die Geschehnisse als »Genozid« zu bezeichnen.

Dieses Wegsehen war nicht zufällig: Große Teile der »internationalen Gemeinschaft« standen dem Gemetzel gleichgültig gegenüber oder waren, wie die USA angesichts der gescheiterten Intervention in Somalia 1993, nicht zum erneuten Eingreifen in Afr...

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