27.04.2013 / Inland / Seite 2

»Die Tafeln wollen gebraucht werden«

An diesem Wochenende finden in Berlin die Aktionstage »Armgespeist. 20 Jahre Tafeln sind genug« statt. Ein Gespräch mit Stefan Selke

Daniel Bratanovic
Stefan Selke ist Autor des Buchs »Schamland« und Professor für Soziologie an der Hochschule Furtwangen

Seit 20 Jahren gibt es jetzt die Tafeln. Kein Grund zu feiern?

Für uns ist es definitiv kein Grund zu feiern, deshalb hat sich ja das »Kritische Aktionsbündnis 20 Jahre Tafeln« gegründet, um zu zeigen, daß die Tafeln nicht nur ein Erfolg sind. Wir denken, daß da auch langfristige negative Effekte zu berücksichtigen sind, und die wollen wir in die Debatte einbringen.

Der gegenwärtige Tenor ist doch aber eher dahingehend, die Existenz der Tafeln zu begrüßen. Was kritisieren Sie genau daran?

Die Kritik läßt sich in einem Satz zusammenfassen: Die Tafeln wollen gebraucht werden. Das heißt, einerseits expandieren die Tafeln als Organisation immer mehr, bieten neue Produkte an, gehen in die Fläche und suchen sich neue Zielgruppen. Das ist der eine Effekt. Der andere, gesellschaftskritische ist der, daß die Politik es zuläßt, daß die Tafeln sich so ausbreiten un...

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