18.10.2012 / Feuilleton / Seite 13

Ich bin das nicht

Alles wiegt wie von selbst schwerer: Matthias Glasners Film »Gnade«

André Weikard
Als Matthias Glasner das Drehbuch zu seinem Film »Gnade« las, fand er es »so la-la«. Der Plot war nicht gerade überzeugend: Eine zerrüttete Ehe, ein Unfall. Sie überfährt ein Mädchen, begeht Fahrerflucht. Gemeinsame Gewissensbisse bringen das Paar wieder zusammen. Daß die Finanzierung zustande kam, war für den Regisseur fast überraschend. Glasner krempelte die Ärmel hoch, peppte das Buch auf, veränderte den Schluß, machte aus dem Ehepaar eine Auswandererfamilie und – der eigentliche Clou – verlegte die Handlung ins norwegische Städtchen Hammerfest nördlich des Polarkreises. Wo die Sonne ein halbes Jahr lang kaum über den Horizont lugt, ist die Parabel von Schuld, Reue und Vergebung gut aufgehoben. Niels (Jürgen Vogel), ein gefühlskalter Ingenieur, verdient sein Geld in dieser Stadt am Ende der Welt in einer Gasverflüssigungsanlage. Seine Frau Maria (Birgit Minichmayr) arbeitet im Hospiz. Während er skrupellos eine Kollegin vögelt, bekommt sie zum Dank für ihre Fürsorge Bl...

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