06.10.2012 / Feuilleton / Seite 13

Über das Betteln

Wiglaf Droste
Betteln ist ein Beruf, aber kein guter. Als ich in jungen Jahren Mexiko besuchte, schärften mir meine Gastgeber ein, bettelnden Kindern auf gar keinen Fall etwas zu geben, egal, wie herzzerreißend das sei, denn sonst würden sie niemals etwas Richtiges lernen. Erwachsene Bettler haben es naturgemäß schwerer als Kinder. Erwachsenen geht das Süße ab, deshalb müssen sie sich, auch beim Betteln, mehr ins Zeug legen und ihre Angelegenheiten dramatisieren. Das tut ihnen und ihrer Sache nicht gut. Manche von ihnen versuchen es mit Musik, stellen sich an einen gut besetzten Kaffeehaustisch und brüllen denen, die dort sitzen und sich gerade angeregt unterhalten, die Ohren zu. Besonders unangenehm erinnerlich ist mir noch eine sich Nachtigall von Rammersdorf oder ähnlich nennende Penetranzgestalt ohne jede I...

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