24.09.2012 / Feuilleton / Seite 13

Eine Synthese von allem

Am Anfang war die Musik: 50 Jahre Fluxus (1)

Stefan Fricke
September 1962, in vielen deutschsprachigen Gazetten dasselbe Foto: Es zeigt einen geöffneten Flügel mit zerstörter Klaviatur. Drumherum stehen vier Männer, Werkzeug in den Händen; ein weiterer läuft über die Saiten, bereit, einen Ziegelstein zu werfen. Das interpretierte Musikstück heißt »Piano Activities«. Es stammt von dem US-amerikanischen Komponisten Philip Corner, der es erst einige Zeit vor dieser Aufführung am 16. September 1962 in Wiesbaden fertiggestellt hat und dem, als man ihm davon berichtet, kein Lächeln über die Lippen kommt.

Die völlige Demontage des Pianoforte ist ein Mißverständnis; die Partitur verlangt solche Taten nicht. Doch läßt sich eine der vagen Anweisungen wie »Agiere wie auch immer auf/unter dem Piano« eben auch radikaler deuten als vom Autor gedacht. Das Foto aber macht Furore und avanciert zur Dokumentationsikone einer Kunst/Musik, die viele seither gerne mit Zerstörung, Anti-Art oder ästhetischem Quatsch assozii...

Artikel-Länge: 8232 Zeichen

Willkommen bei der Tageszeitung junge Welt

Zum Aufrufen dieser Seite ist ein Onlineabo erforderlich.

Bitte einloggen

Hilfe und Informationen

Abo abschließen

Welche Vorteile bietet ein Onlineabo?

  • Zugriff auf das Archiv seit 1997, alle Artikel und Recherchewerkzeuge.
  • E-Mail-Abo im Text-, HTML- oder E-Pub-Format.
  • Zugriff auf Seiten im PDF-Format.
  • Verwalten eigener Lesezeichen.

Zur aktuellen Ausgabe