17.09.2012 / Kapital & Arbeit / Seite 9

Musterland abgebrannt

Slowenien galt als »Schweiz Jugoslawiens«. Jetzt hat es den Euro, marode Banken, steckt in der Rezession und steht vor der Pleite. Die Regierung macht das Übliche

Tomasz Konicz
Sloweniens Regierung kann sich nicht so recht entscheiden. Soll das kleine Land gut zwei Jahrzehnte nach der Sezession aus dem jugoslawischen Staatsverbund seine Souveränität erneut abgeben, sich dazu noch in die Schuldknechtschaft der EU-Technokratie begeben? Der konservative Premier Janez Janša warnte Anfang September vor einem Staatsbankrott schon Ende Oktober. Die Kreditaufnahme an den Finanzmärkten sei derzeit »praktisch unmöglich«. Wenige Tage später kam das Dementi – von Finanzminister Janez Šušteršic: Slowenien brauche »keine Hilfe von außen«, und es gebe auch »keinen Druck«, solche Hilfe zu beantragen. Sein Regierungschef habe mit der Warnung nur der Opposition Beine machen wollen, den »Reformen« des Kabinetts zuzustimmen. Reformen? Mit diesem Euphemismus umschrieb Šušteršic den nun auch in Slowenien anstehenden massiven Sozialkahlschlag. Um den Druck der »Märkte« zu lindern, der sich in einer Zinsbelastung slowenischer ...

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