17.09.2012 / Feuilleton / Seite 12

Anklammern und Ausklammern

Distanz und Beteiligung: »Muttersprache Mameloschn« am Berliner DT

Anja Röhl
Ein feines psychologisches Stück ist da Marianna Salzmann mit ihrer Generationenbeobachtung dreier Frauen gelungen: Großmutter, Mutter und gerade erwachsene Tochter wohnen auf einem Haufen zusammen und gehen sich auf die Nerven. »Muttersprache Mameloschn« (ein Synonym) in der Regie von Brit Bartkowiak sieht am Berliner DT aus wie kurz vor oder kurz nach einem Umzug. Eine Kommode und ein Schrank sind der Großmutter zuzuordnen, der Mutter ein Sofa aus den Siebzigern und der Tochter einfache Küchenstühle, billig beklebt. Es beginnt mit dem jüdischen Witz, warum Juden keine Schmerzmittel nehmen: Weil der Schmerz dann vergehen könnte. Über das Festhalten geht es hier, um Erdrückung und Wut und Befreiung. Die Mutter, ein Kind der sechziger Jahre in der DDR, die vor allem viel allein gelassen wurde, erdrückt ihre Tochter durch Nicht-loslassen-können. Sie liegt depressiv auf dem Sofa, hat Kopfweh und ängstigt sich. Zwischendurch schreibt sie Briefe an die in New York lebende Tochter, warum s...

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