11.09.2012 / Feuilleton / Seite 13

Keine Spaziergänge

Franz Kafka besucht das heutige Israel – eine Volker-März-Ausstellung in Berlin

Tom Mustroph
Nackte Figuren, oft mit übergroßen und vergoldeten Genitalien, bevölkern die theaterartigen Installationen, die Volker März mal in der Luft, dann wieder auf Sand arrangiert. Zuweilen sind Hitler-Figurinen darunter, aber auch solche von Hannah Arendt und Walter Benjamin. Letztere stehen als friedliche politische jüdische Intellektuelle in dreifacher Konfronta­tion zum Judenvernichter, gescheiterten Kunstmaler und Kriegstreiber. Das irritiert beträchtlich. Es führt aber auch zu überraschenden Lesarten. Nach Benjamin und Arendt hat sich März nun Franz Kafkas angenommen. Das sorgte zunächst in Israel für Aufregung. Denn März erweckte den 1924 verstorbenen Autor wieder zum Leben und ließ ihn ins gelobte Land auswandern und dort merkwürdige Dinge erleben, die schlaglichtartig die Widersprüche und Repressionspotentiale der israelischen Gesellschaft erhellen. Jetzt ist der Kafka-Zyklus, angereichert mit etwas Arendt und Benjamin, in der Berliner Galerie Meinblau zu sehen. Er beginnt, natürl...

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