04.09.2012 / Inland / Seite 8

»Bei Heckler & Koch kam kein Fahrzeug mehr durch«

Die Gruppe »Lebenslaute« musizierte in Oberndorf mit Chor und Orchester gegen den Waffenhandel. Gespräch mit Marcus Beyer

Peter Wolter
Marcus Beyer ist einer der Sprecher der Orchestergruppe »Lebenslaute« www.lebenslaute.net

Die Gruppe »Lebenslaute«, in deren Chor Sie singen, hat am gestrigen Montag mit 100 Leuten ein Konzert vor dem Werkstor der Waffenfabrik Heckler & Koch in Oberndorf gegeben. Ich vermute in friedlicher Absicht …

In konsequent friedlicher Absicht! Mit unserer Aktion wollten wir nämlich ein Zeichen gegen den Wahnsinn von Waffenproduktion und Rüstungsexporten setzen. Unser Ziel war, nicht nur vor der Gewehrfabrik zu musizieren, sondern nach Möglichkeit ihren Betriebsablauf zu stören. Auch wenn es nur für einen Tag ist.

Und wie sah das in der Praxis aus?

Ab 4.40 Uhr haben wir alle fünf Werktore besetzt und jeweils mit Musikensembles zwischen 15 und 30 Personen blockiert – es kam kein Fahrzeug mehr durch! Die Beschäftigten, die zu ihrer Schicht wollten, wurden vom Werkschutz zu einem zentralen Eingang umgeleitet, den er für Fußgänger offengehalten hatte. Dabei mußten sie sich natürlich durch die jeweiligen Orchester und Chöre hindurchschlängeln.

Welches Publikum hatten Sie bei diesem Auftritt, und wie hat es reagiert?


In den frühen Morgenstunden hatten wir fast nur den Werkschutz und die Polizei um uns herum. Um 10.00 Uhr haben wir uns alle am Hauptor zu unserem schon vorher angekündigten großen Konzert versammelt. Zeitweise haben uns dort etwa 300 Personen zugehört – sie kamen aus der unmittelbaren und weiteren Umgebung. Es waren Menschen aus der Friedensbewegung dabei, Mitglieder einer lokalen Antifa-Gruppe, interessierte Jugendliche. Bemerkenswert viele, wenn man bedenkt, daß der Montag ein Arbeitstag ist. Unsere Aktion wurde übrigens auch von sehr viel Presse, Rundfunk und vom Fernsehen begleitet.

Wie haben die Beschäftigten reagiert?

Sie haben versucht, möglichst zügig durch das Werkstor zu ihrem Arbeitsplatz zu gehen, kaum jemand hat sich auf ein Gespräch eingelassen. Am allerwenigsten, wenn er das Gefühl hatte, daß er vom Werkschutz beobachtet wird. Es haben auch nur sehr wenige unsere eigens für sie verfaßten Handzettel entgegengenommen. Mit einer solchen Reaktion hatten wir übrigens gerechnet.

Alles ist friedlich abgelaufen, es gab nicht die kleinste Auseinandersetzung. Wir wurden weder beschimpft, noch hat irgendeiner der Beschäftigten seine Solidarität bekundet.

Hat sich denn aus der Geschäftsführung jemand bei Ihnen blicken lassen? Es wäre doch ein souveräner Akt gewesen, dem politischen Gegner mal Guten Tag zu sagen …

Aus der Firmenleitung haben wir niemanden zu Gesicht bekommen.

Was war der Inhalt Ihrer musikalischen Darbietungen?


»Lebenslaute« tritt mit klassischer Musik auf – entsprechend hatten wir Chorstücke ausgesucht, deren Text zum Thema Krieg und Frieden paßt. Das waren u.a.: die Arie »Waffenhandwerk schafft nur Unheil« aus dem »Alexanderfest« von Georg Friedrich Händel; das Friedens-Oratorium von Wolfgang Pasquay; »Ach Krieg« von Leon Janacek. Wir hatten auch moderne Stücke dabei, etwa »Guantanamera«.

Im Konzert vor dem Haupttor hat das Orchester einen Satz aus der »Unvollendeten« von Schubert gespielt. Der hat für unsere Gruppe einen historischen Bezug: Dieses Stück hat sie nämlich bei unserer ersten Konzertaktion vor 26 Jahren in Mutlangen vorgetragen. Dort hatte sie gegen die Stationierung von US-Raketen des Typs Pershing II demonstriert.

Welche Art Aktionen hat Ihre Gruppe bislang unterstützt?


»Lebenslaute« geht an Orte, von denen eine Bedrohung für das Zusammenleben für die Menschen ausgeht. Wir haben uns daher an der Blockade von Atomkraftwerken beteiligt, haben Ausländerbehörden oder Truppenübungsplätze besetzt. Einmal haben wir sogar ein Feld mit genetisch manipuliertem Mais gerodet und darauf ein Konzert gegeben. Ein ständiger Schwerpunkt ist der Antimilitarismus – unser Auftritt in Oberndorf reiht sich daher ein in eine Reihe von Protesten, die in diesen Tagen vorwiegend im Bodenseeraum im Rahmen der »Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel« stattfinden.




www.lebenslaute.net und www.aufschrei-waffenhandel.de

»Lebenslaute« geht an Orte, von denen eine Bedrohung für das Zusammenleben für die Menschen ausgeht. Wir haben uns daher an der Blockade von Atomkraftwerken beteiligt, haben Ausländerbehörden oder Truppenübungsplätze besetzt. Einmal haben wir sogar ein Feld mit genetisch manipuliertem Mais gerodet und darauf ein Konzert gegeben. Ein ständiger Schwerpunkt ist der Antimilitarismus – unser Auftritt in Oberndorf reiht sich daher ein in eine Reihe von Protesten, die in diesen Tagen vorwiegend im Bodenseeraum im Rahmen der »Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel« stattfinden.




www.lebenslaute.net
Welche Art Aktionen hat Ihre Gruppe bislang unterstützt?

»Lebenslaute« tritt mit klassischer Musik auf – entsprechend hatten wir Chorstücke ausgesucht, deren Text zum Thema Krieg und Frieden paßt. Das waren u.a.: die Arie »Waffenhandwerk schafft nur Unheil« aus dem »Alexanderfest« von Georg Friedrich Händel; das Friedens-Oratorium von Wolfgang Pasquay; »Ach Krieg« von Leon Janacek. Wir hatten auch moderne Stücke dabei, etwa »Guantanamera«.

Im Konzert vor dem Haupttor hat das Orchester einen Satz aus der »Unvollendeten« von Schubert gespielt. Der hat für unsere Gruppe einen historischen Bezug: Dieses Stück hat sie nämlich bei unserer ersten Konzertaktion vor 26 Jahren in Mutlangen vorgetragen. Dort hatte sie gegen die Stationierung von US-Raketen des Typs Pershing II demonstriert.

Was war der Inhalt Ihrer musikalischen Darbietungen?

Aus der Firmenleitung haben wir niemanden zu Gesicht bekommen.


Sie haben versucht, möglichst zügig durch das Werkstor zu ihrem Arbeitsplatz zu gehen, kaum jemand hat sich auf ein Gespräch eingelassen. Am allerwenigsten, wenn er das Gefühl hatte, daß er vom Werkschutz beobachtet wird. Es haben auch nur sehr wenige unsere eigens für sie verfaßten Handzettel entgegengenommen. Mit einer solchen Reaktion hatten wir übrigens gerechnet.

Alles ist friedlich abgelaufen, es gab nicht die kleinste Auseinandersetzung. Wir wurden weder beschimpft, noch hat irgendeiner der Beschäftigten seine Solidarität bekundet.



In konsequent friedlicher Absicht! Mit unserer Aktion wollten wir nämlich ein Zeichen gegen den Wahnsinn von Waffenproduktion und Rüstungsexporten setzen. Unser Ziel war, nicht nur vor der Gewehrfabrik zu musizieren, sondern nach Möglichkeit ihren Betriebsablauf zu stören. Auch wenn es nur für einen Tag ist.

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