25.08.2012 / Wochenendbeilage / Seite 4 (Beilage)

Zielgruppen des Mobs

Ganz normale Nachbarn, »arme Schweine« und fleißige Vietnamesen: Stimmungsbilder 20 Jahre nach dem rassistischen Gewaltexzeß von Rostock-Lichtenhagen

Claudia Wangerin
»Schreiben Sie was Neues, schreiben Sie was Positives«, sagt der grauhaarige Mann in Freizeitklamotten. Er stellt sich als »Kurt« vor und will endlich mal einen Artikel lesen, in dem steht, wie gut sie sich hier mit den Vietnamesen verstehen. Er und seine Nachbarn, 20 Jahre danach. Zum Beispiel mit dem jungen Paar, das im asiatischen Schnellimbiß vor dem »Sonnenblumenhaus« arbeitet. Mehrere Deutsche sitzen am Tisch, vor allem Männer ab 50, und trinken Rostocker Export. Mit den vietnamesischen Vertragsarbeitern, die damals beinahe verbrannt wären, hätten die Anwohner nie ein Problem gehabt, sagt Kurt. »Mit denen haben wir ja immer schon zusammen gelebt.«

Als »arme Schweine« beschreibt er die Menschen, die im Spätsommer 1992 vor der überfüllten Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZAst) in Rostock-Lichtenhagen kampieren mußten, zum Großteil Sinti und Roma aus Rumänien. Schleuser hätten sie hergebracht, sie hätten ja gar nicht gewußt, was sie erwartet...

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