30.07.2012 / Feuilleton / Seite 13

Furor Teutonicus

Aus dem Reich der beschädigten Seelen: Gunnar Hinck hat sich an einer Geschichte des bundesdeutschen Linksradikalismus versucht

Markus Mohr
Im Jahre 1972 führte die Kölner Band Floh de Cologne vor Zehntausenden Schülern, Lehrlingen, Studenten und Jungarbeitern die von ihr komponierte Rockoper »Lucky Strike« auf. In einem aggressiv apodiktischen Sprechgesang klärte sie dabei das Publikum darüber auf, was ein Kommunist trinken darf: »Trinkt ein Kommunist Champagner, so ist das bezeichnend für das Leben der Funktionäre im Kommunismus. Trinkt ein Kommunist Bier, so ist dies nichts anderes als ein gewollter Anbiederungsversuch an den kleinen Mann. Trinkt ein Kommunist Wasser, so zeigt das, was uns allen im Kommunismus blüht.« Am Schluß verkünden die Flöhe mit einem düster-drohenden Unterton die schlichte Einsicht »Wenn ein Kommunist trinkt, dann ist das ty-y-y-y-y-p-isch für den Kommunisten!« Mit ähnlich deduktivem Charme hat Gunnar Hinck ein Buch über den bundesdeutschen Linksradikalismus der 1970er Jahre verfaßt. Schon die Kapitelüberschriften zeugen von der prinzipiellen Abneigung des Autoren gegenüber seinem Sujet: »Macht...

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