27.07.2012 / Feuilleton / Seite 13

Angst macht mobil

Der Wutbürger ist in aller Munde. Doch wer ist er eigentlich?

Hagen Bonn
Deutschland entdeckt den »Wutbürger«. Das bürgerliche Feuilleton stellt ihn süffisant vor, denn nicht selten gehört er zur eigenen Leserschaft, der man hier den Spiegel vorhält. Ein gefahrloses Unterfangen, denn die so Angesprochenen werden sich gar nicht betroffen fühlen, sondern einverstanden nicken. Am Ende nuschelt immer irgendein Wutbürger etwas über die Chancen für »unsere Demokratie«, die sich schließlich auch »weiterentwickeln« müsse.

Der Wutbürger hat keinen bewußten Klassenstandpunkt. Er kennt nur einen Standpunkt: seinen. Er ist in jeder Hinsicht in der »Mitte« angesiedelt. Er wählt diese »Mitte«, die man ihm ständig im Parteiformat vorhält, er lehnt entschieden die linken wie rechten »Extremisten« ab, und er kennt sich selbst nur als »Mittelschicht« oder auch Mittelstand. Er schreit auch nicht nach mehr Demokratie. Der neoliberale Kapitalismus hat mit ihm paßgenau den Egomanen gezüchtet, der für die Stabilität dieses asozialen Soz...

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