19.07.2012 / Wissenschaft & Umwelt / Seite 15

Der Terror der Medizin

Vom 19. Jahrhundert über die Nazis bis heute: Soziale Selektion, die biologisch begründet wird

Wolfgang Dreßen
Am 14. Juli 1933 erließen die Nazis das »Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses«. Damit begann die Verhinderung und später die Ermordung des »unwerten« Lebens. Mediziner und Juristen überließen die Fortpflanzung nicht mehr dem Zufall, »erbkranke« Menschen sollten auch gegen ihren Willen »unfruchtbar« gemacht werden. Es wird geschätzt, daß von 1933–1945 eine halbe Million Menschen zwangssterilisiert wurden, ab 1939 wurden über 100000 Menschen umgebracht.

»Gesundheit« wurde nicht nur in Deutschland als Selektionsbegriff gebraucht, doch nirgendwo sonst konnten Mediziner im Bündnis mit staatlichen Stellen diese »Hygienepolitik« mit solch fataler Konsequenz umsetzen. Allgemein mußten die Nazis die Mediziner nicht zur Selektion zwingen, stellt Henning Tümmers in seiner Studie »Anerkennungskämpfe« fest. Im Gegenteil: Das faschistische Deutschland folgte den Vorgaben einer Medizin, die eine an Produktivitätsnormen orientierte Gesellschaft ...

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