16.07.2012 / Feuilleton / Seite 12

Schambart und Nagellack

Hausbesetzung als stete Wiederkehr des Immergleichen: »Os Residentes« von Tiago Mata Machado ist Autorenkino der lethargischen Art

Rafik Will
Fast überall auf der Welt gibt es leerstehende Gebäude. Trotzdem scheint der Hausbesetzer eine aussterbende Spezies zu sein. Entweder läßt er sich zum »normalen« Mieter domestizieren oder er räumt das Gelände. Es gibt nunmal kein richtiges Leben im falschen. Ein alternatives Wohnprojekt kann nicht zu seinen eigenen Bedingungen in einer kapitalistischen Umgebung überleben.

»Os Residentes« des brasilianischen Kritikers, Kurators und Filmemachers Tiago Mata Machado spielt in einem solchen besetzten Gebäude, in einer ziemlich verlassenen Gegend einer brasilianischen Stadt. Eine Gruppe von sechs Erwachsenen und einem Kind stellt hier eine Mischung aus chaotisch aktionistischem Künstlerkollektiv und revolutionärer Zelle dar.

Man folgt als Zuschauer einzelnen Szenen aus dem gemeinsamen Leben, bis das Haus dann letztlich abgerissen wird. Also eigentlich trauriger Alltag. »Os Residentes« erzählt aber keine alltägliche Geschichte, eigentlich erzählt er gar keine ...



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