06.07.2012 / Feuilleton / Seite 12

Die andere Literatur

Nachhilfeunterricht über Avantgarden in der Berliner Fasanenstraße

Florian Neuner
Wer sein literarisches Wissen aus den sogenannten großen Feuilletons bezieht oder irgendwo Germanistik studiert, wer Veranstaltungen in Goethe-Instituten besucht oder gar darauf angewiesen ist, deutschsprachige Literatur in Übersetzungen zu lesen, der wird wohl zu dem Urteil gelangen, daß heute nichts sonderlich Bemerkenswertes geschrieben wird in Deutschland. Der öde Kanon von Günter Grass bis Ingo Schulze und von Hans Magnus Enzensberger bis Durs Grünbein, Richtschnur für Professoren und Redakteure, beschreibt freilich nur die eine, die offiziöse Seite. Jeder Kanon hat einen Gegenkanon.

Wer nur den offiziellen Kanon kennt, der könnte schließlich auch zu der Auffassung kommen: Die deutsche Literatur ist von der Moderne weitestgehend unbeleckt geblieben. Nach wie vor stehen Romanmuster aus dem vorletzten Jahrhundert hoch im Kurs, nach wie vor wird metaphernselig gedichtet, klappern Sonette. Die Berliner Ausstellung mit dem Titel »Poetry goes art«, die au...

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