22.12.2011 / Thema / Seite 10

Max Liebermanns Traum

Die Hamburger Kunsthalle zeigt bis zum 19. Februar den Maler und Grafiker als »Wegbereiter der Moderne«

Monika Köhler
Warum zerschneidet ein junger Maler sein Bild? Als Reaktion auf ein Gedicht wie dieses? »Es ist ein lebenswahrer Schmutz / Des Bildes Hauptverzierung / Ihm käme wahrlich sehr zu Nutz / Die Seifen-Restaurierung.« Der Verfasser, ein Kritiker des Berliner Tageblatts, schrieb das 1877. Der Maler, Max Liebermann, hatte auf der Ausstellung der Königlichen Akademie der Künste in Berlin sein großes Gemälde »Klatschgeschichten« gezeigt und »Arbeiter im Rübenfeld«. Zerschnitten hat er später die »Klatschgeschichten« bis auf ein Fragment: »Mutter mit Kind«, in dunklen Braun-Ocker-Tönen, die Hände der Mutter von Arbeit gezeichnet, mit abgebrochenen Nägeln.

Wo ist der Schmutz? Schon Liebermanns »Gänserupferinnen« (1872) hatten die deutschen Kritiker verstört. In Frankreich, auf dem Pariser Salon 1874, fand das Bild Anerkennung. In Deutschland wurde Liebermann als »Armeleutemaler« abgetan. Im dunklen Raum rupfen ältere Frauen mit verhärmten Gesichtern die lebenden Gän...

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